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proud.de · Deutsch
30. Juni 2026

unterwegs mit einem Radioskater

BerlinSkateboardingRoadtripMünchen

Flimmernde Luft am Horizont. Sommersonne. Kühlender Wind. Ich fahre auf der Autobahn nach München im alten, weinroten Golf 2.

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Flimmernde Luft am Horizont. Sommersonne. Kühlender Wind. Ich fahre auf der Autobahn nach München im alten, weinroten Golf 2. Einer meiner Mitfahrer ist ein Radioskater. Er wird heute Abend an einem Skate-Wettbewerb teilnehmen. Der Rest von uns begleitet ihn und plant, sich zu betrinken. München kann für einen Berliner nichts sein. So viel steht fest und ist unbestritten.

Der Wettbewerb ist interessant. Mehr muss nicht gesagt werden. Wir sind betrunken. Schnell einen Schlafplatz für die Nacht finden, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, da alle Übernachtungsmöglichkeiten bereits geschlossen sind. Im Auto sitzend schmieden wir einen Schlachtplan. Fahren können wir auf keinen Fall mehr. Plötzlich drückt sich ein betrunkener Münchner an unser Fenster und faselt etwas von einer Mausefalle am Ende der Straße. Danke, betrunkener Münchner.

Die Polizei soll unser Freund und Helfer sein, und wir sind in diesem Moment wirklich in einer Zwickmühle. Es kann also nicht schaden, so unsere gemeinsame Überzeugung, einfach mal um Rat zu fragen. Geringe Erfolgsaussichten waren einkalkuliert. Mit leichten Artikulationsschwierigkeiten, nach Informationen über einen Schlafplatz für die Nacht fragend, versuchen wir so zivilisiert wie möglich zu wirken. Offenbar erfolgreich, denn die heiße Polizistin fragt, ob wir uns für fahrtüchtig halten. Ich kann mir das Lachen kaum verkneifen. Die gute Frau weiß sofort, was Sache ist, und schlägt vor, dass ich einfach einen Alkoholtest mache. So wären wir auf der sicheren Seite. Ich frage mich nur, wie viele Promille man nach einer halben Flasche gutem Wodka hat. Ich puste in das verdammte Ding, bis es endlich piept. Sie liest die elektrische LED-Anzeige ab und sagt so etwas wie: „Sie können noch fahren, gerade so!“ 0,2 Promille. Scheiße. Das Ding muss kaputt sein. Ich bin sturzbetrunken und die Polizei sagt mir, ich soll fahren. Ich kann kaum geradeaus sehen. Mit einer gewissen Dringlichkeit in der Stimme rät mir die Frau, einfach in den gegenüberliegenden Park zu fahren und dort eine Nacht zu campen. Einfach so in München? Eine Nacht im Park campen? Was für ein? Scheiß drauf, sie sagt es, ich mache es einfach. München, nein! Jetzt einfach los, die 800 Meter werden kein Problem sein. Dann ist der Albtraum vorbei. Nach nur 400 Metern die große Kehrtwende. Eine weitere Polizeistreife, die nichts mit der Mausefalle zu tun hat, will mit uns reden. „Bitte folgen.“ Ich drehe durch. Geschockt kann ich die Musik aus den Lautsprechern nicht mehr leiser stellen, und hinter mir, auf dem Rücksitz, sind die ersten beiden schon vor Trunkenheit eingeschlafen. Egal, Schicksal ist Schicksal. Und das ist ja schließlich München. Ich ergebe mich und steige aus dem Auto. Ich finde die ganze Geschichte völlig lächerlich und bereite mich auf eine Nacht voller Formulare und bayerischer, kopfschüttelnder Polizisten vor. Ich kann es nicht glauben. Plötzlich fährt die heiße Polizistin vorbei, ruft ihrem Kollegen zu, dass sie uns bereits überprüft hat und alles in Ordnung ist. Ich kann es nicht glauben. Schnell die Zelte aufschlagen und den Rausch ausschlafen. Am nächsten Morgen schnarcht uns eine Obdachlose mit der Bemerkung an, dass wir auf dem Gelände des BKA campen. Das hält kein Berliner aus.

Ansehen & Hören

Radio Skateboards - A Radiospective (2003-2023)

YouTube

Eine spätere Dokumentation, die den Berliner Kontext von Radio Skateboards sichtbar macht.

https://youtu.be/dlxkX27lGh8

Mehr aus dieser Ausgabe

BLVD OF

proud #01 · Seiten 53-53

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proud #01 · Seiten 60-60

Wie und wo sollen wir denn anfangen? Vielleicht mit der Geschichte von der Oma vorm Berghain?