Soundsproud #01 · Januar 2009
Alte Legenden, neue Entdeckungen
Kurz gesagt: Es gibt wohl kein anderes Musikgenre, das wöchentlich mehr Veröffentlichungen ans Licht bringt als Techno.
Es gibt wohl kein anderes Musikgenre, das wöchentlich mehr Veröffentlichungen ans Licht bringt als Techno. Bei dem Überangebot ist es nicht immer einfach, das zu finden, was man eigentlich sucht. Oft weiß man auch gar nicht, was man eigentlich sucht! An manchen Tagen reicht bereits ein druckvoller Kickdrum und eine simple Bassline – manche nennen das Minimal – an anderen Tagen muss es funky oder perkussiv sein. Je nach Tagesform. Womit man mich allerdings immer hinterm Ofen hervorlocken kann, sind rasselnde Hi-Hats, gepaart mit Claps und Snares. Je roher die Sounds, desto besser. Musik, die mich verprügelt und auspeitscht und trotzdem zärtlich zu mir ist. Technoiden Masochisten-House kann man das vielleicht nennen. Neue Tracks in diesem Stil sind leider extrem rar. Daher habe ich beschlossen, mich auf die Suche nach alten Platten zu begeben.
Mein erstes Fundstück ist „Carl Craig's Paperclip Remix" von Green Velvets „Flash" aus dem Jahr 1996. Der Track startet ohne zärtliches Vorspiel des bereits beschriebenen Kettengerassels. Um aber nicht unhöflich zu sein begrüßt uns Green Velvet höchstpersönlich, drückt jedem eine Kamera in die Hand und gestattet auch Fotos zu machen. Das waren damals noch Zeiten! „We've been here not more than thirty seconds, and already I see a bad little kid doing bad little things." Genau diese Dirtyness, die ich gesucht habe! Als Carl Craig nach 3 Minuten Rasselei auch noch gefühlvoll den Fader für die Bassline hochzieht, verstehe ich endlich, was seine Musik ausmacht. Der Mix als Kunstform. „Cameras ready, prepare to flash!"
Text Dave Krass



